09.10.2021, von Jens Geschke, Lukas Frank

Übungswochenende in der Alb-Kaserne

Der THW Ortsverband Tuttlingen beherbergt drei verschiedene Fachgruppen. Die mit „WP“ abgekürzte Gruppe für Wasserschaden/Pumpen wird gerufen, wenn einem das Wasser mal Probleme macht oder Keller ausgepumpt werden sollen. Wird die Einsatzstelle größer, so können die speziell dafür ausgebildeten Helfer mithilfe ihrer leistungsfähigen Großpumpen auch große Wassermengen über längere Zeit und weite Strecken pumpen.

Eine andere Gruppe, die Bergungsgruppe, kann gerufen werden, wenn Menschen gerettet werden müssen, die nach einer Katastrophe in Schächten, Tunnel oder Kellern eingeklemmt bzw. verschüttet wurden.

Ein solches Szenario bot sich bei der dreitägigen fachgruppenübergreifenden Übung mit Themenschwerpunkten der Bergungsgruppe des THW OV Tuttlingen auf dem Gelände der Alb-Kaserne in Stetten am kalten Markt. Die dort ansässige Feuerwehrschule der Bundeswehr verfügt über einen großen Bereich mit verschiedenen Ausbildungsanlagen und Übungshäusern.

 

Für die über drei Tage lang geplante Übung wurde ein Camp für die Übungsteilnehmer aufgebaut. Dieses wurde federführend von der Fachgruppe Notversorgung, kurz „N“, in gemeinsamer Arbeit mit den anderen Fachgruppen auf einer großen Wiese der Kaserne errichtet und betrieben. Auf diese Weise konnte eine eigenständig errichtete Unterkunft für die Dauer der Übung genutzt werden, sodass kasernenseitig lediglich die Duschen der Soldaten des Artilleriebataillons 295 in Anspruch genommen wurden.

Die eigentliche Übung, das Retten und Bergen, begann mit der Anfahrt zu den eingestürzten Gebäuden. Im Szenario wurden mehrere Verschüttete, in diesem Fall Übungspuppen vermutet. Zwei Trupps machten sich mit ihrem Equipment bereit, unterschiedliche Einsatzaufträge zu erfüllen. Aus einem 10 Meter tiefen Schacht sollte eine Person gerettet werden. Die starken Beschädigungen des Gebäudes versperrten jedoch den Helfern die Nutzung der eigentlichen Gebäudeinfrastruktur, sodass alternative Zugangswege mittels Leiter geschaffen werden mussten. Nach einer seilbasierten Rettung der Person aus dem Schacht wurde sie mit einem Schleifkorb aus dem zweiten Stock abgeseilt und dem Rettungsdienst übergeben.

Parallel dazu stieg ein zweiter Trupp, ebenso zunächst über Leitern, in ein weiteres einsturzgefährdetes Gebäude ein, sicherte es und stütze verschiedene Bauwerksteile mit Baustützen ab.

Die zahlreichen, von der Übungsleitung eingebrachten Herausforderungen wurden in diesem ersten Übungsteil in teameigener Regie koordiniert und erfolgreich abgearbeitet.

 Im zweiten Übungsabschnitt wurde vermehrt das Zusammenspiel beider Teams gefordert. Obwohl jede Gruppe eigene Aufgaben zu bewältigen hatte, galt es, die einzelnen Tätigkeiten auf reduzierten Raum so aufeinander abzustimmen, dass die jeweils andere Gruppe ohne größere Einschränkungen und Gefährdungen weiterarbeiten konnte.

Während sich das eine Team mittels Bohrhammer und Motortrennschleifer Zugang in das Gebäude verschaffte, bestand die Aufgabe des anderen Teams, Personen aus dem Trümmerfeld und dem Keller zu retten. Dazu mussten allerdings schwere Trümmer bewegt und auf die Seite geräumt werden. Erneut wurden auch hier Gebäudeteile und ganze Stockwerke abgestützt, um eine sichere Rettung zu gewährleisten.

Neben der Gefahr des einsturzgefährdeten Übungsobjektes musste darüber hinaus auch auf aufgefundene Gefahrstoffe geachtet werden. Konkret bedeutete dies den sofortigen Rückzug aller Einsatzkräfte aus dem Gefahrengebiet bis die Gefahrstoffe identifiziert, gesichert und die Einsatzstelle zur weiteren Rettung freigegeben werden konnte. Diese Unterbrechungen wurden genutzt, um sich etwas zu erholen, aber auch um sich auszutauschen und um Strategien zu entwickeln.

 Spaß mit einem ernsten Hintergrund hatten die THW-Helfer nach Beendigung der Übung, als es auf freiwilliger Basis galt, sich aus 25 Meter Höhe von einem Turm abzuseilen.

Am dritten Tag wurde das Camp zurückgebaut, abgerückt und in der Tuttlinger Unterkunft alles kontrolliert, gereinigt und die Einsatzbereitschaft wieder hergestellt.

Für die Fachgruppen sowie die Bergungsgruppe des THW OV Tuttlingen war es eine der längsten und umfangreichsten Übungen seit 15 Jahren. Mit fünf Fahrzeugen nahmen 24 THW Helfer teil.

                              


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